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Tuesday, 21.11.2017

Chronik 1945 - 1990

Neubeginn nach dem Krieg

Von zum Stamm zählenden Spielern des Turnvereins EV kehrten Herbert Gocht, Gerhard Hartmann, Oswald Herrgesell und Herbert Reichelt aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurück. Das gleiche Schicksal ereilte von der letzten männlichen Jugendmannschaft Walter Gocht, Kurt Haase, Martin Kern, Georg Minke, Siegfried Steurich und Werner Rietzel. Auch Handballer des Turnvereins "Humor" sowie des ehemaligen Arbeiter-, Turn- und Sportvereins Neugersdorf, wie Alfred Röbisch und Otto Güttler, wurden Opfer des Krieges. Im Sommer 1945 wurde von der Sowjetischen Militäradministration der Sport in der damaligen "Ostzone" Deutschlands offiziell wieder zugelassen.

Am 13. Juli versammelten sich in diesem Zusammenhang Neugersdorfer Sportler zur Gründung des "Antifaschistischen Einheitssportverbandes Neugersdorf".

Für die Sparte Handball wurde mit Hermann Herrgesell einer der Spielerpersönlichkeiten aus der Vorkriegszeit als Leiter benannt. Trainiert wurde auf dem Sportplatz an der Jahnturnhalle. Beteiligt waren damals u.a. Herbert Wazlawik, Walter Kern, Georg Kühnel, Heinz Gnauck und Lothar Heinrich. Dringend zurückerwartet wurden Überlebende des Krieges, vorwiegend aus der Kriegsgefangenschaft. Einige kehrten jedoch nicht nach Neugersdorf zurück, andere konnten, bedingt durch Verwundungen, Krankheit oder durch die Erschwernisse der Nachkriegszeit sich sportlich nicht mehr betätigen. Schwer war der Neubeginn.

Abgesehen von der unzulänglichen Ernährungslage mußten Ballmaterial, Schuhwerk und Spielkleidung beschafft werden. Eine Bestandsaufnahme ergab, daß insgesamt vier Lederbälle zur Verfügung standen. Aus blauem Baumwollkörper wurden Jerseys und Sporthosen genäht. Später kamen noch blau-weiß-geringelte Stutzen aus Mischgarn hinzu.

1946 wurde die "FDJ-Sportgemeinschaft Neugersdorf" gegründet. Ein vom außerordentlich engagierten Schriftführer Herbert Wazlawik verfaßter Bericht aus jener Zeit lautet:


Sparte Handball Neugersdorf/Sa.
Neugersdorf, 12. Juni 1946

Tätigkeitsbericht vom 6. Mai bis 10. Juni 1946

Schon im Jahre 1945, also ganz kurze Zeit nach dem Zusammenbruch des Hitlerstaates, fanden sich Handballspieler, die trotz aller Schwierigkeiten ihren geliebten Sport wieder aufnahmen und mit einer 1. Herrenmannschaft an die Öffentlichkeit traten. Am 6. Mai erfolgte nun die eigentliche Gründung der Neugersdorfer Handballsparte. In Anwesenheit von 30 Sportgenossen wurden zum

  • Leiter der Sparte: Hermann Herrgesell
  • Stellvertreter: Heinz Gnauck
  • Schriftführer und Spielführer der 1. Mannschaft: Herbert Wazlawik
  • Kassierer: Harry Rudolph
  • Zeugwart: Lothar Heinrich
  • Spielführer der 2. Mannschaft: Heinz Neumann

Seit dieser Zeit ist nun die Abteilung mit einer 1. Herren- und 2. Herrenmannschaft laufend an die Öffentlichkeit getreten ... Zur Zeit ist nun eine 1. Jugendmannschaft im Entstehen. Darüberhinaus wird auch in Kürze einem allseitigen Wunsche Rechnung getragen und eine Damenmannschaft ins Leben gerufen. Letztere wird am 23. Juni erstmalig gegen Löbau an die Öffentlichkeit treten. Ein intensives Training ist bereits im Gange. Die Farben der Kleidung für alle Mannschaften ist blaues Hemd und weiße Hose. Ballmaterial ist ausreichend vorhanden und gespielt wird auf dem Platze bei Hotel "Stadt Zittau", wo wir uns mit der Sparte Fußball in die Trainings- und Spielzeiten teilen. Training findet jeden Dienstag von 19 bis 21 Uhr statt. Unsere Aufgabe besteht nun hauptsächlich darin, der Jugend sportliche Betätigung zu geben, den Namen Neugersdorf auch im Sport wieder in guten Ruf zu bringen und den Wiederaufbau Deutschlands mit unseren Kräften zu fördern und zu unterstützen.

Sport frei
Der Leiter der Handballsparte Neugersdorf/Sa.


Zu Auswärtsspielen nach Friedersdorf, Leutersdorf und Eibau wurde mit dem Rad gefahren. Nach Zittau half die Bahn. Weiter entfernte Orte wurden mit LKW, v.a. der Ebersbacher Fuhrunternehmer Nitzsche, Sucher und Weikert, erreicht. Jene LKW`s waren mit Holzbänken ausgestattet und mussten zum Teil mit einem Holzgasgenerator betrieben werden.

Am 12. März 1947 wurde Heinz Schuster Spartenleiter. Er löste Hermann Herrgesell ab, der aus privaten Gründen um Entlastung bat.

Neugersdorfer Jahnturnhalle als "Pionierstätte des Hallenhandball" in der Oberlausitz

Langsam aber sicher begann sich der Mitte der 30er Jahre in Schweden entwickelte Hallenhandball zu regen. Im Januar 1947 erhielten Neugersdorfer Mannschaften erstmals eine Einladung zu einem Hallenhandballturnier nach Görlitz in die dortige Stadthalle.

Da die Spielfläche, das Regelwerk, die Anzahl der Spieler sowie die Technik und Taktik vom Feldhandball beträchtlich abwichen, mußte zuvor in der Jahnturnhalle kräftig trainiert werden. Dabei wurden verschiedene Tricks angewandt, denn der Rat der Stadt fürchtete berechtigt um die damals noch nicht vergitterten Fenster. Ballspielen in der Halle war deshalb untersagt. Nachdem Fensterschutzvorrichtungen aus grober Leinwand angeferigt wurden, fand am 11. Dezember 1949 vor vielen begeisterten Zuschauern das erste Neugersdorfer Hallenhandballturnier statt. Gäste waren Mannschaften aus Ebersbach, Friedersdorf und Obercunnersdorf.

Neben der Stadthalle Görlitz, den Turnhallen in Kirschau und Meißen sowie der Sporthalle in Radebeul gehört die Neugersdorfer Jahnturnhalle somit zu den "Pionierstätten" des Hallenhandballs in der Region. Seit Dezember 1949 konnte nunmehr auch im Winterhalbjahr trainiert und gespielt werden. Dies bewirkte eine ansteigende Mitgliederzahl mit der daraus resultierenden erfolgreichen Weiterentwicklung in den 50er Jahren.

Erste Ostsachsen- und Bezirksmeistertitel

Die 1. Männermannschaft wurde jeweils im Hallenhandball 1950 und 1951 Ostsachsenmeister und 1954 Meister des Bezirkes Dresden. Im Vordergrund blieb zu jener Zeit noch der Feldhandball.

1. Männermannschaft 1951
1. Männermannschaft 1951
W. Franke, R. Halank, J. Fischer, H. Schuster, H. Hasche, J. Kraus, H. Büttner, K. Rothe, H. Hofmann,
H. Berndt, G. Wagner, Trainer E. Vesper; es fehlen: W. Bitterlich, M. Neumann

Von 1947 bis 1950 stand die 1. Männermannschaft als Staffelsieger dreimal im Endspiel um die Ostsachsenmeisterschaft. Es wurde jedoch jedesmal gegen den Ersten der Nordstaffel verloren. Erst im vierten Anlauf 1951 gewann man die Ostsachsenmeisterschaft auch im Feldhandball.

Herausragende Spieler in der ansonsten sehr ausgeglichen besetzten Mannschaft waren die Sachsenauswahlspieler Joachim Kraus und Hartmut Hofmann, die wurfkräftigen Stürmer Reinhold Halank und Kurt Rothe sowie Verteidiger Joachim Fischer und Torwart Werner Franke. Hohen Anteil am Erfolg hatte der verdienstvolle Trainer und Mitbegründer des Neugersdorfer Handballsports Erich Vesper. Er trimmte die Mannschaft bei kilometerlangen abendlichen Waldläufen mit Gymnastikeinlagen auf eine enorme Kondition. Sportfreund Vesper fuhr hierbei per Rad seinen Männern voran.

Noch erfolgreicher war die Frauenmannschaft

Es bedurfte einiger Überredungskünste der damals 14jährigen Ingeborg Steinhäuser und Ihrer Freundin, den damaligen Spartenleiter Hermann Herrgesell zur Gründung einer Frauenmannschaft zu bewegen.

1. Frauenmannschaft 1946
1. Frauenmannschaft 1946
A. Neumann, I. Steinhäuser, Ch. Korn, Ch. Kindermann, I. Herzog, B. Klippel, H. Kindermann, D. Reichelt, V. Nickel, A. Wünsche, E. Michel

Als dies gelang und genügend Mitspielerinnen gewonnen wurden, folgte nach zweimonatigem Training am 23. Juni 1946 die erste Frauenhandballbegegnung der Nachkriegszeit gegen Löbau.

Das Spiel wurde mit 1:0 (!) durch ein Tor von Christina Kindermann gewonnen. Ingeborg Steinhäuser spielte später in der Neugersdorfer DDR-Liga-Mannschaft, als Studentin bei der HSG Greifswald in der Oberliga und wurde in die B-Auswahl der DDR im Hallenhandball berufen.

Die Neugersdorfer Frauenmannschaft blieb in der Oberlausitz bis 1951 hinter Görlitz an zweiter Stelle.

Dreimal hintereinander verlor man das Endspiel um die Ostsachsenmeisterschaft gegen die Neißestädterinnen; einmal allerdings nach Unentschieden nur durch den damals üblichen Losentscheid.
1952 setzte sich die 1. Frauenmannschaft (zeitweise gab es damals drei Frauenmannschaften) durch und wurde Ostsachsenmeister. Ein Jahr darauf, in der Bezirksliga spielend, gelang sogar nach einem Entscheidungsspiel gegen die favorsierte Mannschaft von Dresden-Löbtau die erste Bezirksmeisterschaft für den Neugersdorfer Handball im Erwachsenenbereich.

1. Frauenmannschaft ca. 1955
1. Frauenmannschaft ca. 1955
A. Gerstmann, I. Schmidt, V. Wünsche, Manschaftsleiter H. Hasche, R. Schmidt, I. Schuster, Chr. Hasche, G. Kolbe; L. Hasche, J. Kindermann, W. Rämisch, I. Helfricht, R. Haase

Es folgte der Aufstieg in die Südstaffel der DDR-Liga. Bis zu deren Auflösung im Jahre 1957 schlug sich unsere Vertretung äußerst wacker. 1956 gelang mit dem 3. Platz (!) die beste Platzierung.

Bei den Begegnungen um den FDGB-Pokal 1955 wurde nach Siegen über Motor Leipzig-West und SC Motor Berlin die Runde der letzten acht Mannschaften der DDR erreicht. Im Viertlefinale verhinderte ein Tor mehr für "Polysius" Dessau in der Verlängerung den Einzug in das Halbfinale.

Im Hallenhandball nahm die Mannschaft als amtierender Bezirksmeister am 29./30. Januar 1955 an der Vorrunde zur DDR-Meisterschaft teil. In Döbeln besiegten die Neugersdorfer Frauen Lok Frankfurt/O. mit 2:0 und Motor Magdeburg-Mitte mit 5:2. Einem 2:2 gegen Fortschritt Cottbus folgte schließlich eine 1:5-Niederlage gegen DHfK Leipzig. Der daraus resultierende 2. Platz reichte immerhin zur Einreihung in die DDR-Hallenliga, der damals höchste Frauen-Spielklasse.

Neben Fortschritt Neugersdorf spielten darin: SC Fortschritt Weißenfels, DHfK Leipzig, Lok Rangsdorf, Fortschritt Oberlungwitz und Motor Wismar. Gegen Letztere wurden in Magdeburg mit einem 6:3-Erfolg die ersten, aber leider auch einzigen Punkte erkämpft. Im Januar 1956 standen unsere Frauen dem DDR-Meister aus Weißenfels gegenüber. Bei dieser Begegnung lehrten die Neugersdorferinnen jener mit mehreren

Auswahlspielerinnen besetzten Mannschaft das Fürchten. Erst vier Minuten vor Spielende gelang dem Favoriten der 3:2-Endstand. Insgesamt war diese Hürde doch etwas zu hoch, man verabschiedete sich jedoch mit erhobenem Haupte.

Von 1946 bis 1957 spielten durchgehend Christina Hasche, ihre Schwester "Hanni" Kindermann und Isolde Schuster in der Mannschaft. Hohe Wertschätzung erwarb sich neben den engagierten Übungsleitern Siegfried Meyer und Heinz Graf der verdienstvolle Mannschaftsleiter Hans Hasche. Als Spielführer der 1. Männermannschaft bis 1951, als Leiter des weiblichen Sektors 1952/53 und ab 1954 als Mannschaftsleiter der 1. Frauenmannschaft war er mit seiner äußerst gewissenhaften, sachlichen und taktvollen Art stets mit dem Herzen dabei. Der Neugersdorfer Handball hat ihm viel zu verdanken!

Mädchenmannschaft Sachsen- und Vize-DDR-Meister

Nach 1946 lehrten die damaligen Sportlehrer an der Neugersdorfer Pestalozzischule, Dora Reichel und Heinz Schuster, im Turnunterricht das Handballspiel. Viele Mädchen und Jungen konnten dafür begeistert werden. Trainiert wurden sie vor allem von Ingeborg Steinhäuser.

Mädchenmannschaft der Pestalozzi-Schule 1952
Mädchenmannschaft der Pestalozzi-Schule 1952
Mannschaftsleiter H. Schuster, G. Husak, W. Kutschmann, U. Bitterlich, E. Schibille, M. Seibt, Landestrainer G. Enders; I. Güttler, S. Richter, B. Menzel, R. Israel, A. Gerstmann, G. Häntsch (dahinter), R. Linke, L. Quiring

Bei den Endspielen um die Ostsachsenmeisterschaft 1952 konnten sich die Mädchen hoch überlegen mit 11:0 und die Jungen mit 8:6 jeweils gegen Niesky durchsetzen. Bei den folgenden Sachsenmeisterschaften in Chemnitz belegten die Jungen den 3. Platz. Die ausgeglichen besetzte Mädchenmannschaft besiegte im entscheidenden Spiel den Leipziger Meister Taucha mit 2:1 und holte damit den ersten und bisher einzigen Sachsenmeistertitel nach Neugersdorf. Von der "Zentralen Spartakiade der DDR" kehrten die 13- und 14-jährigen Mädchen damals mit der Bronze-Medaille zurück.

Die leistungsstarke Vertretung blieb überwiegend zusammen und wurde durch einige ein Jahr ältere Mädchen sogar noch verstärkt. Von 1953 bis 1955 errangen sie, nunmehr in der BSG Fortschritt Neugersdorf und trainiert von Heinz Graf und Siegfried Meyer, sechsmal den Bezirksmeistertitel. Die Sternstunde des Neugersdorfer Handballs schlug am 20.02.1955 bei den DDR-Meisterschaften in Magdeburg, als die Mannschaft Vizemeister der DDR wurde. Der damalige Sektionsleiter Heinz Schuster verfasste folgenden Bericht für die Sächsische Zeitung:


Neugersdorfer Mädel Vizemeister im Hallenhandall Bereits vor den Spielen stand den Fortschritt-Mädels das Glück diesmal nicht zur Seite. Das Los hatte entschieden, daß beide Spiele bereits am Sonnabend ausgetragen werden mußten. Dazu kam noch, daß der erste Gegner gleich der FDGB-Pokal-Gewinner Motor "Polysius" Dessau hieß. Außerdem hatte die Hermann-Gieseler-Halle in Magdeburg einen groben Nachteil, der einigen Mannschaften zum Verhängnis wurde: statt eines Holzparkettes bestand die Spielfläche aus viel zu weich gestampften Sand. Diese Faktoren trugen zu Beginn des ersten Spieles zu einer sonst nicht bekannten Nervosität bei.

Dessau erkannte diese Schwäche und nützte sie aus. Mit einem unerhörten Spurt begannen die Motor-Mädchen zu wirbeln; drei Deckungsfehler wurden in Tore umgemünzt, und damit war praktisch das Spiel entschieden. Die zweite Halbzeit verlief ausgeglichen. Unsere Mädchen kämpften mit ganzer Kraft um den Anschluß, der auch schließlich durch Doris Haase gelang; jedoch wurden anschließend zweimal nur Pfosten und Latte getroffen. Mit einem vierten Treffer entschieden schließlich die Dessauerinnen das Spiel verdient für sich. Im nächsten Spiel galt es gegen die Mädchen der SG Berlin-Rahnsdorf anzutreten, die in der Vorrunde die favorisierten Rangsdorfer Mädchen, den dreimaligen DDR-Meister, aus dem Rennen werfen konnten. Während die Berlinerinnen bereits mit der Spielweise unserer Mädchen vertraut waren, mußten unsere Mädel den unbekannten Gegner erst wieder vorsichtig abtasten.

Doch die Nervosität war gebrochen. Renate Linke brachte ihre Farben in Führung; jedoch ein unbedingt vermeidbarer Treffer erbrachte den Ausgleich. Schließlich setzte sich die ausgeglichenere Besetzung der Neugersdorfer Mannschaft durch, und die in Hochform befindliche Renate Linke war es wiederum, die mit zwei herrlichen Sprungwurftoren den 3:1-Endstand sicherstellte. Da Dessau Rahnsdorf mit 3:0 das Nachsehen geben konnte, errangen die Neugersdorfer Mädchen einen beachtlichen zweiten Platz. Mit Freude konnten sie aus den Händen des Präsidenten der Sektion Handball, Sportfreund Hans Scharf, die Ehren-Urkunde sowie die silbernen Plaketten in Empfang nehmen.


Männlicher Nachwuchs zunächst mit Startschwierigkeiten

Mit den gleichaltrigen Vertretungen aus Friedersdorf, Obercunnersdorf und später auch Eibau bestand gleich in Nachbarorten starke Konkurrenz. Wenn auch ohne Titelgewinn, standen dennoch leistungsstarke Spieler im Aufgebot. Heinz Diessner und Günther Dähne wurden 1950 in die Sachsenauswahl der A-Jugend berufen. Heinz Diessner wurde darüber hinaus in die DDR-Auswahl eingereiht, kam jedoch altersbedingt interntional nicht mehr zum Einsatz. Nach bereits erwähntem Ostsachsenmeister-Erfolg 1952 gelangen erst 1956 und 1957, u.a. mit Christian Dollinger und Dieter Schröer, weitere Kreis- und Bezirksmeisterehren.

Erfolge der "goldenen" fünfziger Jahre vorerst ohne Fortsetzung

Zu Zeiten der BSG Textil (1950) bzw. BSG Fortschritt (1951 bis 1957) wurden die meisten Erfolge erzielt. Während dieser Jahre nahm der Neugersdorfer Handball in der Oberlausitz bzw. im Bezirk Dresden leistungsmäßig die Spitzenposition ein und erwarb sich den Ruf einer "Handball-Hochburg". Eine Vizemeister-Titel der DDR, ein dritter Platz bei der DDR-Spartakiade, eine Sachsenmeisterschaft sowie 20 Ostsachsen- bzw. Bezirksmeistertitel stehen in diesem Zeitraum zu Buche. Die Zeit der Neubegründer nach dem Krieg ging jedoch altersbedingt zu Ende. In der Sektionsleitung entstanden Lücken. Jüngere rückten nicht nach, da Qualifizierung und Studium etliche Jugendliche von unserer Kleinstadt fortführten. Andere siedelten wegen der besseren und freieren Lebensbedingungen aus der DDR in die BRD über. Anfang der 60er Jahre spielt der Neugersdorfer Handball im Bezirksmaßstab nur noch eine Außenseiterrolle. Im Rechenschaftsbericht 1960 musste festgestellt werden: ... Unsere Sektion befindet sich kadermäßig und leistungsmäßig in einer beträchtlichen Krise. ... Dieser Zustand sollte noch einige Zeit Bestand haben.

So musste in jenem Jahr die Frauenmannschaft vor Beginn der Saison zurückgezogen werden, gleiches Schicksal ereilte die Männer zwei Jahre später vor der Hallensaison. Nur durch den Enthusiasmus einzelner konnte vorerst die vollständige Auflösung der Männer- und Frauenmannschaft verhindert werden, bevor 1964 dann trotzdem der Frauenbereich für 15 Jahre von der Neugersdorfer Handballbühne verschwand. Erst im Jahre 1965 zählte unsere Sektion wieder über 100 Mitglieder, nachdem 1963 der personelle Tiefstsstand zu verzeichnen war.

Zu jener Zeit wurde das Großfeldspiel im Wettkampfbetrieb endgültig eingestellt und das Interesse galt fortan dem Hallen- oder Kleinfeldhandball. Die für 1969 an die DDR vergebene Weltmeisterschaft fand nicht mehr statt. Der Großfeldhandball, der die Handballgeschichte an die 50 Jahre lang prägte, wurde national und international aus dem Wettkampfprogramm gestrichen. Letzter Weltmeister war 1966 die BRD vor der DDR und Österreich. 

Männlicher Nachwuchs nunmehr Hoffnungsträger

Beispielhaft war zu jener Zeit die Arbeit mit den "Pionieren". Die von Heinz Ernst trainierte D-Jugend erkämfte 1963 den Bezirksmeistertitel und konnte diesen Erfolg 1965 als C-Jugend wiederholen. Von 1967 bis 1969, nunmehr betreut von Christian Dollinger und Horst Brendler, errangen die Jungs diesen Titel viermal hintereinander.

A-Jugend männlich 1968
A-Jugend männlich 1968
Trainer Chr. Dollinger, F. Twardygrosz, M. Wolf, G. Polenski, H. Kroker, G. Stübner, H. Nicol, D. Hebold, Mannschaftsleiter H. Brendler; V. Reinsch, H. Stoll, G.-R. Ulbrich, H. Paduch, D. Weisgerber; es fehlt: G. Liebisch

Leistungsträger jener Mannschaft waren u.a. Matthias Wolf, Hannes Nicol, Gerd Polenski, Helmar Kroker und etwas später auch Roland Olbrich, Klaus Hennig und Jürgen Wenzel. Matthias Wolf wurde später mit dem SC DHfK Leipzig zweimal DDR-Meister und spielte 40mal in der DDR-B-Auswahl. Jürgen Wenzel schaffte über den SC DHfK Leipzig den Sprung in die Junioren-Auswahl der DDR, musste seine leistungssportliche Laufbahn jedoch nach einer schweren Knieverletzung aufgeben. 

Talsohle der Krise mit Tief im Erwachsenenbereich überwunden

Nachdem die 1. Männermannschaft 1970 bei der Bezirksmeisterschaft im Kleinfeldhandball Vizemeister wurde, ging es im Erwachsenenbereich wieder stark abwärts. Die Integration der Jugendspieler misslang aus den unterschiedlichsten Gründen (Armee, Delegierung zum SC DHfK).

Mitte der 70er Jahre konnten sich, trotz teilweise 17 Mannschaften im Spielbetrieb, gerade mal zwei oder drei Nachwuchsvertretungen für die Bezirksliga qualifizieren. Immerhin stieg die Mitgliederzahl auf ca. 160 an. Heinz Schuster trat nach 25jähriger Tätigkeit als Sektionsleiter zurück. Danach war er bis 1998 Technischer Leiter und seit dem Ehrenmitglied der Abteilungsleitung Handball. Gottfried Rößler, der sich nach Monaten der Ratlosigkeit zur Verfügung stellte, hielt mit den Mitgliedern der Leitung die weitere Entwicklung der Sektion am Leben.

1976 wurde Gerhard Liebisch, seit 1974 Stellvertreter, zum Sektionsleiter gewählt. In der Neugersdorfer Handball-Sektion "großgeworden", gewann er relativ junge, engagierte Handballfreunde, u.a. seine Brüder Rudolf (Rudi) und Norbert für die Mitarbeit. Mit Heinz Neumann und Heinz Schuster war auch die "alte Garde" vertreten. Dank der zielstrebigen Arbeit ging es wieder aufwärts. Die Männer schafften 1976 den Aufstieg in die Bezirksklasse und belegte auf Anhieb den 3. Platz. Für die seit 1946 fast ausnahmslos kontinuierlich und erfolgreich verlaufende Entwicklung im Neugersdorfer Handballsport wurde unserer Abteilung 1976 vom Präsidium des "Deutschen Handballverbandes der DDR" durch Urkunde mit Unterschrift des Präsidenten die Auszeichnung "Vorbildliche Sektion des DHV der DDR" verliehen.

Der sich andeutende Aufwärtstrend der späten 70er Jahre hielt erfreulicherweise auch zu Beginn des neuen Jahrzehntes an. Es galt, verlorenen Boden zu den inzwischen in der Region dominierenden Mannschaften aus Löbau, Eibau, Bernstadt/Hagenwerder und Niederoderwitz wettzumachen. Da inzwischen im Wettkampfbetrieb ausschließlich Hallenhandball gespielt wurde, erwuchs eine den Bedingungen angepaßte Spiel- und Trainingstätte einer immer größeren Bedeutung. Genannte Vereine hatten durch den jeweiligen Neubau von Sporthallen eine bis dahin nicht gekannte Entwicklung genommen, im Falle Löbau kam die "Fusion" mit Neusalza-Spremberg und die Förderung durch die NVA noch hinzu.

Die Neugersdorfer Jahnturnhalle erfüllt bekanntlich die Normen nicht, so dass nach 1976 die Eibauer Sporthalle "Am Kottmar" für lange Zeit unser "zweites Zuhause" wurde. Sportlich aufhorchen ließen die Jungs vom Jahrgang 1965-67. Trainiert von Heinz Ernst und später von Jürgen Wenzel wurden sie 1980, 1982 und 1984 Bezirksmeister. Dabei bezwangen sie immer wieder mit Dynamo Dresden Nord-West die Sektion, die das offizielle Trainingszentrum des Handballverbandes der DDR im Bezirk Dresden war. Das u.a. mit René Schönfelder, Lars Stange, Kai Bruchmann, Ralf Schmidt, Mario Bastisch oder Peter Helzel spätere Leistungsträger der 1. Männermannschaft aus dieser Mannschaft stammen, beweist die Ausnahmestellung dieses "Sahnejahrgangs".

1984 verhinderte nur ein Tor mehr für den späteren Titelträger (!) SC Dynamo Berlin die Qualifikation zur DDR-Meisterschaft. Nachdenklich stimmt die damals Beteiligten immer wieder der Gedanke, ob eine BSG Lautex Neugersdorf sich für diese Veranstaltung überhaupt qualifizieren durfte... Auch die 1. Männermannschaft kam weiter voran. 1983 wurde nach 20jähriger Abwesenheit unter Übungsleiter Rudi Liebisch der Aufstieg in die Bezirksliga geschafft. Noch zu früh, wie sich herausstellte, denn wie bei der 2. Mannschaft, welche in die Bezirksklasse aufgestiegen war, konnte die Klasse nicht gehalten werden. Erstmalig gab es jedoch eine 3. Männermannschaft.

Die Frauen, seit 1963 nur noch im Kreismaßstab spielend, konnten in die Bezirksklasse aufsteigen und die Klasse halten. Übungsleiter war Hubert Baier, welcher talentierte Jugendspielerinnen in den Erwachsenenbereich heranführte. Leider fehlte der Mannschaft die nötige Konstanz, um sich in dieser Spielklasse dauerhaft behaupten zu können. Hubert Baier wurde übrigens 1978 zum Vorsitzenden des Kreisfachausschusses (KfA) für Handball gewählt. Unter seiner Leitung entwickelte sich der KfA Löbau zu einem "Muster-KfA". Daher verwundert es nicht, dass er 1985 zum Vorsitzenden des BfA für Handball in Dresden gewählt wurde. Von 1990 bis 1993 vertrat er den Handballverband Sachsen als 2. Vizepräsident, danach als Vorsitzender die Bezirksspielleitung Dresden.

1. Männermannschaft wieder Aushängeschild des Neugersdorfer Handballs

1986 schaffte die 1. Männermannschaft den Wiederaufstieg in die Bezirksliga. 1987 erkämpften die Männer überraschend den inofiziellen Vize-Bezirksmeistertitel. Jene Mannschaft, u.a. mit Jürgen Wenzel, Hartmut Brendler, Gunnar Backofen, Jochen Bösewetter, Steffen u. Lutz Seeliger, René Schönfelder und Uwe Lukas, war eine außerordentlich gutklassig und gleichmäßig besetzte Vertretung. In guter Erinnerung ist vielen Neugersdorfer Handballfreunden und Spielern die "Heimatmosphäre" in der damaligen Traglufthalle.

Seit Oktober 1987 konnten die zahlreichen Zuschauer erstmals echte Heimspiele ihrer Mannschaft erleben. Diese Spielstätte mit ihrer besonderen Atmosphäre wurde von den Handballern schnell angenommen und nur wenigen Gastmannschaften gelang es, Punkte aus der "Blase" zu entführen. Durch die nunmehr eigene Halle konnten fast alle Mannschaften ihre Positionen in den jeweiligen Klassen festigen oder ausbauen und v.a. im Kinder- und Jugendbereich spielten fortan wieder viele Mannschaften höherklassig. 

Traglufthalle
Traglufthalle

Der techn. Leiter Heinz Schuster musste damals die Beheizung der Traglufthalle im Winterhalbjahr beim Träger der BSG Lautex, dem "VEB Oberlausitzer Textilbetriebe", beantragen. Dem Antrag wurde nicht immer stattgegeben ...